Posted on März - 26 - 2009
Das erste mal mit dem neuem

Es gefiel mir ziemlich gut hier in der Disco. Sie lag zwar so ziemlich am Ende der Welt, wenn ich sie so durch meine Großstadtaugen betrachte, aber ich war überrascht, wieviel hier los war und auch die Musik war echt nicht übel. Ich muß vielleicht erst einmal erzählen, was mich in diese ländliche Gegend gebracht hatte. Es war meine Schulfreundin Monika, die mit ihrem Freund Peter vor vier Jahren nach ihrem Abi und der Ausbildung nach Žrmshausen gezogen war, einer kleinen, verschlafen Stadt mitten im Obstanbaugebiet von Weldersen. Ich hatte die beiden inzwischen schon fast ein Jahr nicht mehr gesehen und nun mein Versprechen wahr gemacht, sie dort einmal zu besuchen. Mit der Bahn war ich gute vier Stunden unterwegs gewesen. Ich hatte mir eine Woche Urlaub genommen, denn sonst hätte sich das Ganze gar nicht gelohnt. Nun war ich also in dieser Disco, in einem Nachbardorf von Žrmshausen. Die Stimmung war gut, denn die Bude war voll und Monika und ich hatten auch schon einiges getrunken. Für Monika muß es aber wohl zu voll gewesen sein, denn sie wollte schon wieder gehen. Dabei war es noch nicht einmal Mitternacht. Ich hatte mich köstlich amüsiert. Vor allem über die ganzen Typen, die hier so herumliefen. Einige von denen sahen auch echt gut aus, aber irgendwie merkte man doch an deren Anmache, daß man nicht in der Großstadt war. Als ich selbst mal einen wirklich gut- aussehenden Boy angesprochen hatte, war der so verdutzt, daß er erst gar nicht wußte, was er sagen sollte. Schien nicht üblich zu sein, daß auch mal Frauen auf die Männer zugehen. Stellte sich dann leider heraus, daß er bereits gebunden war und das Gesicht der Konkurenz zeigte mir deutlich, daß ein kleiner Flirt hier sicherlich nicht angebracht war. Schade, dabei hatte der Kerl einen so sexy Hintern. Es war auf jeden Fall erst kurz vor zwölf, als wir, Monika, Peter und ich, die Disco verließen. Draußen war es hundekalt, typisches Novemberwetter, und ich war froh, als wir im Auto saßen und uns der Wind nicht mehr in die Klamotten blies. Aber ich hatte mich zu früh gefreut, denn Peters Wagen streikte. Vergeblich versuchte er den Motor zu starten. Und auch ein Blick unter die Motorhaube schien nichts zu bringen. Er erzählte irgendetwas von einem Teil, was Probleme machen würde. Keine Ahnung, was das war. Ich kenne mich mit der Technik nicht so aus. Auf jeden Fall schien er den Wagen nicht in Gang zu bringen. Dann kam eine Diskussion, was nun zu tun wäre. Da muß ich sagen, daß mich das dann aber doch etwas aufregte. Kurzentschlossen hatte ich die beiden einfach mit zur Straße geschleppt und den Daumen hochgehalten, so wie ich es sonst auch oft machte. Peter und Monika schienen vom Trampen nicht viel zu halten, aber noch keine Minute später hielt bereits ein Wagen. Ich fragte, ob er uns nach Žrmshausen mitnehmen könnte, und als das klar war, hatte ich die beiden auch schon auf den Rücksitz untergebracht. Ich setzte mich vorne rein und los gings. Der Fahrer sah echt Klasse aus. Muß wohl einer aus den Chef-Etagen gewesen sein, denn er hatte ziemlich teuren Fummel an, Anzug, Krawatte und so weiter. Aber dann irritierte mich, daß der Wagen eigentlich nicht zu ihm paßte. Bei solchen Leuten war ich besseres gewohnt. Das klärte sich aber auch schnell auf, als er uns erzählte, daß er gerade von irgendeiner Messe kam und er normalerweise nicht im Anzug herumlaufen würde. Das machte mir den Mann gleich viel sympatischer, denn ich stehe nicht so auf Schlipsträger. Wir unterhielten uns alle recht gut miteinander. Wir erzählten ein wenig von uns, er ein wenig über sich, wie das nun eben immer so abläuft. Man kennt das ja… Frank, so hieß dieser Typ, hatte eine echt angenehme Ausstrahlung. Ich weiß nicht genau, was mich so an ihm faszinierte. Ob es seine ruhige Art war, oder doch eher seine Augen? Er war recht sportlich gebaut, hatte hellbraune, kurzgeschnittene Haare. Nein, aber nicht diesen Stoppelschnitt, sondern eine richtig schicke Kurzhaarfrisur. Reizte mich richtig, die durcheinanderzubringen.
Er war wohl vor der Messe noch eben beim Friseur gewesen. Ich glaube, ich hatte mich bereits in ihn verknallt. Ich war ziemlich traurig darüber, daß wir gleich schon wieder aussteigen würden. Ob ich mir gleich die Autonummer aufschreiben sollte? Das hatte ich aber schnell wieder verworfen. Wer findet schon anhand einer Autonummer einen Typen wieder. Ich sah ihn fast fortwährend an. Der Dussel hat das überhaupt nicht gemerkt, sah ziemlich starr immer nur nach vorne. Ich konnte seine Augenfarbe leider nicht erkennen, weil es so dunkel war. Hellblau vermutete ich. Sah zumindest so aus, wenn uns ein Auto entgegen kam und die Scheinwerfer kurz zu uns hereinleuchteten. War aber vielleicht auch nur eine Wunschvorstellung, denn ich liebe blaue Augen. Wir waren etwa zehn Minuten gefahren, da kamen wir bei der Wohnung von Monika und Peter an. Frank hatte uns bis vor die Haustür gefahren, weil es inzwischen angefangen hatte zu regnen. Fand ich riesig nett, macht nämlich auch nicht jeder. Ob ich ihn noch nach seiner Telefonnummer frage? Ist doch irgendwie verrückt: Wenn es einem so richtig wichtig ist, dann traut man sich nicht. Ich war doch tatsächlich nicht in der Lage, meinen Mund aufzumachen und ihn zu fragen. Doch dann machte Peter etwas, für das ich ihm sehr dankbar war. Er fragte Frank, ob er nicht noch als kleine Gegenleistung fürs Fahren auf eine Tasse Kaffee mit nach oben kommen wollte. Und Frank sagte zu. Neue Hoffnung kam in mir auf, als wir Vier die Treppe hinauf ins dritte Stockwerk marschierten. Monika und Peter hatten eine sehr nett eingerichtete Wohnung, was wohl in der Hauptsache Monikas Verdienst war, denn sie hatte einen ausgefallen guten Geschmack. Allerdings war die Behausung etwas klein und mein Gästebett war in Form einer bezogenen Matratze im Wohnzimmer aufgebaut. Ich mußte Frank auch gleich warnen, denn er war drauf und dran gerade darüber zu stolpern. Naja, ein wenig trottelig. Vielleicht war er aber auch nur etwas überanstrengt. Messebesuche nehmen einen wohl immer stark in Anspruch. Wir gingen in die Küche und Monika setzte auch gleich einen Kaffee auf. Immer wieder sah ich unauffällig zu Frank hinüber, der noch immer in der Tür stand. Herrje ist der schüchtern. Peter mußte ihm erst einen Platz zuweisen, damit er endlich hereinkam. Aber er sah einfach nur genial aus. Total süß. Und ich traute mich nicht. Verflixt, ich war doch sonst nicht so. Ich begab mich erst einmal zum Kühlschrank und holte unter allgemeiner Zustimmung einen Mitternachtssnack heraus. Monika hatte gut eingekauft: Wurst, Käse, Schinken und diese tollen kleinen Pepperoni aus dem Glas. Fand ich echt lieb von ihr, daran zu denken, daß ich die so gerne esse. Der Kaffee war nun auch fertig und wir setzten uns gemütlich um den Tisch herum. Was Frank nicht wußte, ich inzwischen aber schon zu genüge kennengelernt hatte, war Lori, der kleine Rabe von Monika. Den hatte sie schon, bevor sie nach Žrmshausen gezogen war. Und dieser Rabe, der hatte die Angewohnheit, sich zu melden, wenn er sich vernachlässigt fühlte. Doch dieses Melden war unüberhörbar. So eine Lautstärke traute man dem kleinen Vogel gar nicht zu. Frank war das Opfer, denn er hatte genau den Platz vor dem Käfig, den er sicherlich noch nicht bemerkt hatte, denn der Käfig stand im Halbdunkel zwischen allen möglichen andern Dingen in der Küche. Wir mußten kräftig lachen, als Lori ihre Attacke loslies und Frank so zusammenschrak, daß ihm fast das Messer aus der Hand gefallen wäre. Der arme Kerl. Auf den Schreck reichte ihm Monika erst mal eine Tasse mit heißem, dampfenden Kaffee. Schöne schlanke, lange Finger hatte Frank. Das fiel mir bereits im Auto auf, und jetzt wieder, als er seine Hände um die Tasse legte.
“Petra”, sagte ich mir, “reiß dich am Riehmen und tu endlich etwas.” Ich fand ihn so Klasse, aber irgendwie steckte mir ein Kloß im Hals. Das war mir zuletzt vor drei Jahren passiert, damals, als ich Michael kennenlernte. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Aber bei Frank erging es mir nun ähnlich. Während des Essens sah ich immer wieder zu ihm hinüber. Ich hoffte, daß er mich einmal ansehen würde und ich ihm zulächeln könnte, denn darin bin ich echt gut. Hat bisher schon fast immer gewirkt. Dummerweise hatte ihn Peter in ein Gespräch über Psychologie verwickelt. Da Peter das studiert hatte, sich also entsprechend auskannte, und Frank wohl auch schon mit Psychologie zu tun gehabt hatte, waren die beiden schnell nur noch mit sich beschäftigt. Hätte denn Frank nicht mal seine Psychologie anwenden könnten, um zu überlegen, wie ich mich gerade fühlte. Aber er wußte ja leider noch gar nicht, daß ich ihn so toll fand. Und es schien auch nicht so, als würde sich an diesem Zustand irgendetwas ändern, denn sie redeten und redeten. Ich half Monika beim Abdecken und stellte die Sachen zurück in den Kühlschrank. Als wir beide uns dann am Spülbecken trafen, stubste ich sie an und flüsterte ihr zu: “Du, ich finde Frank so Klasse. Gib mir mal nen Tip, was ich machen soll. Er sieht mich überhaupt nicht.” Monika sah mich recht überrascht an. “Wie bist du denn drauf?
Damit hast du doch sonst keine Probleme.” Dann sah sie zum Tisch, wo die beiden saßen und immer noch redeten, dann sah sie mich wieder an, überlegte kurz und meinte, daß sie da etwas arrangieren würde. Ich solle mich mal wieder mit zu den beiden dazusetzen. “Danke,” flüsterte ich ihr zu und setzte mich mit einem Stuhl direkt neben Frank. Ich glaube, er hatte mich gar nicht wahrgenommen. Doofer Typ, dachte ich mir. Und verflixt: Warum hast du dich bloß so in ihn verschossen. Aber was viel schlimmer war, ich war irgendwie handlungsunfähig. Ich hatte doch sonst nicht solche Probleme, wenn es darum ging, die Typen anzugraben. Warum komme ich bei Frank nicht weiter? Verlegen nahm ich eine dieser Knabberstangen und beschäftigte mich mit Lori. Monika hatte inzwischen die Küche verlassen. Ich war gespannt, was sie vorhatte. Ich sah mir Frank etwas genauer an. Wie alt mag er wohl sein? Ich schätzte, höchstens drei Jahre älter als ich selbst. Die Augenfarbe blau hatte sich inzwischen bestätigt. Was er wohl sonst für Klamotten trägt? Ich hoffte, daß er nicht gerade einer von diesen Typen war, die in klobigen Gesundheitsschuhen und mit überlangen Strickpullovern herumliefen, so echt alternativ eben. Aber nein, das paßte nicht zu ihm. Inzwischen waren schon wieder fünf Minuten herum, Monika war immer noch weg, die beiden redeten immer noch und ich saß immer noch dumm herum. Daß auch Peter nichts merkte, der ist doch sonst eigentlich immer ziemlich feinfühlig, was solche Dinge angeht. “Unternimm endlich etwas,” dachte ich mir erneut und versuchte mich innerlich zu motivieren. Frank hatte seine Zigarettenschachtel vor sich liegen. Das war die Möglichkeit. “Darf ich mir eine Zigarette von dir nehmen?” sprach ich ihn an. “Meine sind gerade alle.” Er drehte sich zu mir herum, ich lächelte ihn an. Ich hoffte, genau diesen Blick drauf zu haben, der die Männer so anmacht. “Klar! Nimm dir ruhig eine…” entgegnete er mir. Für zwei Sekunden trafen sich unsere Blicke. Mir wurde ganz anders. Aber schon hatte er sich wieder Peter zugewandt. Scheißkerl! Sorry, aber das ging mir gerade so durch den Kopf. Ich nahm mir eine Zigarette und beim Zurücklegen der Schachtel berührte ich ihn wie zufällig am Arm. Mann, wann merkst Du es endlich. Ich zündete mir die Zigarette an, blies den Rauch in die Luft und beschäftige Lori mit der Knabberstange, während ich mir überlegte, was ich sonst noch machen könnte, daß er mich endlich mal richtig wahrnahm. Sah ich denn so schlecht aus? Kann doch gar nicht sein. Ich hatte mich für die Disco doch extra noch fit gemacht. Auf einmal stand Monika in der Küchentur, nur mit BH und Slip bekleidet. Was war das denn? Verdutzt sah ich sie an. “Kommst Du?” sprach sie Peter an und warf ihm dabei einen auffordernden Blick zu. “Bin gleich wieder da,” unterbrach er seine Diskussion mit Frank und verschwand mit Monika im Wohnzimmer. Monika, ich danke Dir! Frank, seines Gesprächspartners beraubt, drehte sich nun zu mir herum. “Jetzt!” sagte ich mir und überlegte, wie ich es am besten angehen sollte. Herrje, warum ist mir nur nichts besseres eingefallen. “Hast Du mal Psychologie studiert?” fragte ich ihn und ich dachte mir, was das doch wohl für eine blöde Frage war, um ein Gespräch anzufangen, welches mich bei ihm interessant machen sollte. “Nein, leider nicht,” bekam ich als Antwort zurück. Er erzählte mir, daß seine Eltern ihn damals lieber eine Lehre machen lassen wollten und so weiter. Warum bloß konnte ich mich nicht durchringen, ihn so richtig aufreizend anzublicken, so wie ich es sonst immer drauf hatte. Stattdessen sah in den Käfig und ärgerte Lori mit dem Kräcker.
Ich erzählte Frank, daß ich noch am Studieren bin: Musik. šberrascht war ich dann, als er mir mitteilte, daß er ein Klassikfan sei. Das hatte ich von ihm gar nicht erwartet, aber ich freute mich über eine Gemeinsamkeit, über die wir reden konnten. Ich war innerlich total aufgewühlt und mir kreisten alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Nach außen hin blieb ich aber doch ziemlich kühl. Irgend etwas machte mich unsicher. Wir hatten uns echt toll über Musik, Opern und Operetten unterhalten und ich merkte, daß er mit Fan nicht übertrieben hatte, sondern sich wirklich auskannte. Jetzt komm doch endlich mal auf den Punkt, sagte ich mir. Oder sollte ich mich einfach an ihn lehnen, wie ich es auch schon oft getan habe, um jemanden zu ermuntern, mehr zu machen, als nur zu reden. Ich hätte mich echt in den Hintern beißen können, als ich nach zehn Minuten immer noch nichts fertiggebracht hatte, und Frank meinte, daß es wohl an der Zeit wäre, zu gehen. Auf meine Warum-Frage entgegnete er mir, daß es nicht danach aussehen würde, daß Peter wiederkommt, und er auch nicht weiter stören wollte. “Monika hat ihn wohl zum Schlafzimmerdienst verdonnert,” entgegnete ich ihm und warf Frank einen schmunzelnden, auffordernden Blick zu. Aber irgendwie hatte er wohl eine lange Leitung oder wollte meinen Blick einfach nicht kapieren. Er stand auf und ging leise ins Wohnzimmer. Ich folgte ihm bis zur Tür. Er bat mich noch, Monika und Peter seinen besten Dank für die Verpflegung auszurichten und war dann auch schon im Treppenhaus verschwunden. Ich stand hinter der Tür und raufte mir die Haare. Warum hast du ihn nicht gefragt, warum hast du dir nicht zumindest die Telefonnummer geben lassen? Ob ich ihm gerade noch hinterherlaufe? Nein, lieber nicht. Wie sähe das denn aus? Plötzlich klopft es vor mir an der Türe. Ich bin richtig zusammengezuckt. Ob Frank jetzt endlich geschaltet hatte? Ich öffnete. Es war tatsächlich Frank. Ich sah ihn fragend an, brachte kein Wort heraus. Er sah mich an, ein kleiner Schauer durchzuckte meinen Körper. “Jetzt, ” dachte ich. “Er hat’s gemerkt.”






