Posted on March - 02 - 2009

Elektronisch

Es war einmal ein armer, aber rechtschaffener Vierpol, namens Eddi Wirbelstrom. Er bewohnte einen bescheiden moeblierten Hohlraum mit Dielektrikum und warmem Saettigungsstrom. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit einer Verstaerkerzucht auf Transistorbasis. Eddi liebte mit der ganzen Kraft seiner Å¡bertragungs- funktion ein Ion namens Julchen.

Julchen, die induktivste Spule mit dem kleinstem Verlustwiderstand im ganzen Kreis, beeinflusste mit ihren harmonischen Oberwellen nicht nur Eddi, sondern durch ihre symmetrischen Netzintegrale auch die aeltesten ausgedienten Leidener Flaschen, was ja viel heissen will. Julchens Vater, der alte Cosinus Phi, ein bekannter Industriemagnet und Leistungsfaktor, hatte allerdings konkrete Schaltplaene fuer die Zukunft seiner Tochter. Sie sollte nur an eine bekannte Kapazitaet mit ausgepraegtem Nennwert angeschlossen werden. Aber der Zufall wollte es anders.

Als Julchen eines Tages auf ihrem neuen Pico-Farad nach Hause fuhr, sie hatte gerade im Wellensalon des neusten Ozillographen eine schicke Halbwelle auf ihren Scheitelpunkt legen lassen, geriet ihr ein Saegezahn in ihre Filterkette. Eddi Wirbelstrom aber, der die ganze Gegend periodisch abfrequentierte, eilte mit minimaler Laufzeit hinzu und es gelang ihm Julchens Kippschwingung vor dem Maximum der Amplitude abzufangen und gleichzurichten. Eddi lud Julchen zum Mittagessen ein. Er machte so etwas mit der “Rechten-Hand-Regel” , doch leider hatte das Ringintegral heute geschlossen. “Macht nichts”, sagte Julchen, ” ich habe vor kurzem fast 0.2 kHz gegessen und meinen Saettigungswert erreicht. Ausserdem muss ich auf meine Feldlinien achten.” Eddi aber schaltete schnell, schlug einen kleinen Frequenzgang in das magnetische Streufeld vor und wanderte mit Julchen auf der Eisenweglaenge zum Elektronenfluss hinunter.

Der Abend senkte sich ueber die komplexe Ebene. Am Himmel erglaenzte die Sternschaltung. Eddi und Julchen genossen die Isolierung vom lauten Getriebe der Welt, und als Eddi seine Tangente um Julchens Einheitskreis legte, schmolzen ihre Scheinwiderstaende dahin, und Eddi, unter dem Einfluss der Eisenkerne unter Julchens Kupfermantel, verlor beinahe seine muehsam bewahrte Restdaempfung.

Sanft plaetscherten die elektromagnetischen Wellen ans Gestade und als sie an der Wheatstonschen Bruecke ankamen, nahm Eddi seinen ganzen Durchgriff zusammen und emittierte: “Bei Gauss, mein Julchen, deine lose Rueckkopplung hat es mir angetan. ” Der Informationsgrund dieser Nachricht durchflutete Julchen mit der Summe aller Teilstroeme. Das Ergebnis war ueberwaeltigend. Sie entglitten der Kontrolle ihrer Leitkonstanten und begannen ein Impulsverhaeltnis, in dessen Verlauf hochfrequente Wechselstroeme die beiden auf die aeussersten Schnittwerte aller Frequenzen anhoben. Im Å¡berschwang des jungen Gluecks erreichten beide voll ausgesteuert die maximale Amplitude, aus der eine dritte Oberwelle entstand.

Und wenn sie nicht gedaempft wurden, so schwingen sie noch heute !