Posted on März - 13 - 2009

Heiler

Vorgestern erzaehlte mir Frank, dass er in der Abenddaemmerung, vor einem Quelleshop, in eine Tretmine gelascht ist. Er wohnt gleich die Ecke rum. Waehrend das Zeug am Schuh hochquoll und sich seinen Tennissocken naeherte, spuerte er die Waerme. Dann konnte Frank den Hund am Ende der Strasse ausmachen. Er ueberlies den Schuh dem gewaltigen Doppen und humpelte dem Tier nach. Das wuerde der Halter bitter bereuen. Der Besitzer schien ihn erwartet zu haben:

“Wenn Sie mich fuer das Abkacken von Rex verantwortlich machen wollen, muessen Sie mir erstmal nachweisen, dass mir als Hundebesitzer auch der Kot gehoert.”

“Wie bitte?”

“Ja junger Mann,” Frank erroetete “nach rechtlichem Gesetzpunkt gehoert zum Besitz auch ein Besitzerwille.”

“Wie soll ich das verstehen? Schlieslich hat mir ihr Koeter den Abend versaut…wollte mich doch mit Ute treffen…”

“Lieber Freund, wenn ich als Hundebesitzer einen Hund besitze, muss ich nicht gleichzeitig auch seinen Darminhalt besitzen.”

“Aber er hat ihn doch dahinten auf der Ecke ausgeschissen und mein Schuh steckt mitten drin.”

“Sehen Sie, es ist doch klar. Als ich eben gassi ging, wusste ich doch nicht, dass Rex Stuhlgang haben wuerde. Insofern kann ich den ungelegten Haufen doch gar nicht besitzen wollen. Ich habe also keinen Besitzerwillen hinsichtlich des Kotes.”

“Soll das etwa heissen, dass sie zwar den Hund besitzen aber die Scheisse Eigentum ihres Hundes ist?”

“Gut erkannt! Hinzu kommt, dass ich Rex nicht angeleint hatte. Er ist also frei gelaufen. Ansonsten haette ich ja die Kacke an der Leine gefuehrt. Aber das war bei mir nicht der Fall. Sie verstehen was ich meine?”

“Das ist ja unerhoert, ich zeige sie an.!

“Ja meine Guete- passen Sie mal auf. Sie werden nicht nur nachweisen muessen, dass ich Eigentuemer des Kotes bin, sondern dass auch ein Entledigungswille vorlag.”

Franks Augen weiteten sich unglauebig. Rex hatte ihn gerade angepinkelt.

Posted on März - 09 - 2009

Die suesse Frau aus Italien

Schlafend lag die schöne Leonora aus Florenz im Schatten eines Birnbaums. Es war ein heißer Tag, und der weite Weg von der Stadt bis zum Weinberg hatte Leonora erschöpft. Bevor sie mit einem Korb voller Trauben den Rückweg antrat, wollte sie sich ein wenig ins Gras legen und ruhen.

Sie hatte das Mieder aufgeknöpft, das ihre schneeweissen Brüste freigab, und sah noch hübscher aus als sonst. Der weite Rock war über ihre Beine zurückgeglitten, und zwischen den schimmernden, weichen Schenkeln lugte ein schwarzes Dreieck hervor, schwärzer noch als die dichten Locken, die ihr Gesicht umrahmten.

Die Sonne sengte glühend auf das alte Gemäuer, das hinter dem Birnbaum den Weinberg begrenzte. Aus einer Mauerspalte schlüpfte eine kleine Eidechse, flink glitt sie über die heißen Steine in das schattige Grün, züngelte an den Zehen des Mädchens und folgte einem süßen Duft. Vielleicht suchte das Tier nur das kühlende Dunkel unter dem Rock - auf jeden Fall war es im Nu an jenem verschwiegenen Plätzchen angelangt, wo sich zwischen feuchtem Moos Leonoras rosige Grotte auftat.

Unruhig bewegte sich Leonora im Schlaf, als sie ein Schmeicheln um ihre geheimste Stelle fühlte. Das Kribbeln hörte nicht auf, und als es zu sehr kitzelte, fuhr sie erschrocken hoch, und griff schnell nach dem frechen Eindringling. Da bekam das Echslein Angst, schlüpfte rasch in die feuchte Enge und drängte sich so weit hinein, bis es nicht mehr weiterging.

Vergebens versuchte nun das Mädchen, seiner habhaft zu werden. Es sprang auf und schüttelte sich, kniete sich wieder hin und wollte mit beiden Händen dem unerwünschten Gast den Weg ans Tageslicht zeigen. Doch das Eidechslein versteckte sich um so besser, je mehr das Mädchen ihm zusetzte, und langsam wich es immer tiefer in die feuchtwarme Höhle zurück.

Leonora wußte nicht mehr ein noch aus. Gepeinigt von dem unaufhörlichen Kitzel, rannte sie den ganzen Weg nach Hause, um ihrer Mutter von dem Missgeschick zu berichten. Diese schlug die Hände über dem Kopf zusammen, doch dann versuchte sie, der Tochter zu helfen. Aber auch die Mutter bemühte sich vergebens. Sie sah wohl das vorgestreckte Köpfchen der Eidechse, und die glitzernden Žuglein, doch sobald sie dem Reptil zu Leibe rücken wollte, wich es in sein sicheres Versteck zurück.

Der Doktor mußte geholt werden. Bedenklich schüttelte er den Kopf. Es gäbe kein anderes Heilmittel, das kleine Reptil loszuwerden, als einen Ritter vor die Venusburg zu führen. Er sollte dann mit seiner Lanze den unerwünschten Gast bis in den hintersten Winkel seines Unterschlupfes verfolgen, und ihn mit kräftigen Stößen um sein Leben bringen. Als Leonora das hörte, fing sie an zu jammern, doch es blieb ihr nichts anderes übrig, als den Versuch zu wagen. Woher aber den Ritter nehmen? Alle Verehrer hätten in einem solchen Gefecht sicher gern ihre Lanze für sie eingesetzt - doch dann hätte sich bald jeder in der Stadt über Leonoras Missgeschick lustig gemacht.

Doch schon am nächsten Tag, so wollte es der Zufall, klopfte ein Bauernbursch aus den Bergen an der Haustür. Er kam, um Käse und Eier zu verkaufen. Vom Fenster ihrer Kammer aus erkannte Leonora, daß er gesund und kräftig aussah. Niemand war daheim, und so rief sie ihn herein, ließ sich seine Ware zeigen - und machte ihn dann auf das aufmerksam, was sie zu bieten hatte.

Der Bursche wußte nicht, wie ihm geschah. Schenkte das schöne Mädchen ihm wirklich seine Gunst? Doch die Gelegenheit war so verlockend, daß er nicht lange fackelte. Kaum hatte Leonora Zeit, ihren Rock zu schürzen, da machte sich der Junge auch schon auf die Echsenjagd. Und was für einer Lanze er sich dabei bediente! Schon der erste Angriff brachte das Eidechslein in arge Bedrängnis. Flüchten konnte es nicht, also verteidigte es sich mit seinen spitzen Zähnchen. “Hah”, rief der Bauernbursche, “wie seid ihr feinen Stadtmädchen da unten doch merkwurdig gebaut!”

Leonora seufzte nur, und ermutigte den Helfer mit tapferen Gegenstößen. Das schien ihn so zu beflügeln, daß er mit einem gewaltigen Stoß sein Werk vollendete. Das Echslein trieb - halb betäubt, halb ertränkt - aus seinem schützenden Versteck.

Wohin es verschwand, wer weiß… doch die schöne Leonora lud noch so manchen Ritter zur Eidechsenjagd ein.